Above-Average-Effekt: Warum du dich überschätzt
Der Above-Average-Effekt: Warum du deine Fähigkeiten falsch einschätzt
Bist du ein überdurchschnittlich guter Autofahrer? Wahrscheinlich hast du gerade innerlich „Ja" gesagt – und damit bist du in guter Gesellschaft. Der Above-Average-Effekt ist eine der faszinierendsten kognitiven Verzerrungen überhaupt, denn er zeigt, wie systematisch unser Gehirn uns eine verzerrte Version unserer eigenen Fähigkeiten präsentiert. In diesem Artikel erfährst du, was dahintersteckt und wie du diesem Denkfehler entkommen kannst.
Was ist der Above-Average-Effekt?
Der Above-Average-Effekt – auch bekannt als Bessere-als-Durchschnitt-Illusion – beschreibt die Tendenz von Menschen, die eigenen Fähigkeiten systematisch höher einzuschätzen als die der meisten anderen. Das klingt harmlos, ist aber mathematisch schlicht unmöglich: Wenn 90 % aller Menschen glauben, überdurchschnittlich gut Autofahren zu können, stimmt etwas nicht.
In unserem Short zeigen Clara Berg und Ben genau dieses Phänomen auf humorvolle Weise: Ben ist absolut überzeugt, ein überdurchschnittlicher Fahrer zu sein – bis Clara Berg ihn mit der ernüchternden Statistik konfrontiert. Bens Reaktion? „Wait, das kann nicht stimmen!" – ein klassisches Zeichen dafür, wie tief diese Verzerrung sitzt.
Der Grund für diesen Effekt liegt in der Art, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. Wir erinnern uns bevorzugt an unsere Erfolge, blenden Misserfolge aus und bewerten unsere eigenen Stärken intuitiv höher als die anderer. Unser Ego fungiert dabei als eine Art Schutzfilter, der unangenehme Selbsterkenntnisse abmildert.
Wo begegnet dir dieser Denkfehler im Alltag?
Der Above-Average-Effekt taucht in erstaunlich vielen Lebensbereichen auf:
- Beruf: Mitarbeiter schätzen ihre eigene Leistung im Team häufig höher ein als die ihrer Kollegen.
- Gesundheit: Viele Menschen glauben, gesünder zu leben als der Durchschnitt – obwohl sie ähnliche Gewohnheiten haben.
- Soziale Kompetenz: Die meisten halten sich für bessere Zuhörer, Freunde oder Partner als sie tatsächlich sind.
- Intelligenz: Studien zeigen, dass sich die Mehrheit für intelligenter als den Durchschnitt hält.
Besonders tückisch wird dieser Denkfehler, wenn er wichtige Entscheidungen beeinflusst – etwa bei Gehaltsverhandlungen, in Beziehungen oder beim Einschätzen von Risiken.
Was kannst du dagegen tun?
Der erste Schritt ist schlicht das Bewusstsein: Allein zu wissen, dass dieser Effekt existiert, hilft dir, kritischer mit der eigenen Selbstwahrnehmung umzugehen. Hier sind konkrete Ansätze:
- Hol dir ehrliches Feedback von Menschen, denen du vertraust – nicht nur von denen, die dich loben.
- Vergleiche dich anhand konkreter Kriterien, nicht anhand von Gefühlen.
- Betrachte deine Misserfolge genauso aufmerksam wie deine Erfolge.
- Frag dich bewusst: „Woher weiß ich das wirklich – oder glaube ich es nur?"
Selbstreflexion ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von mentaler Stärke. Wer die eigenen blinden Flecken kennt, trifft bessere Entscheidungen – im Beruf, im Alltag und in Beziehungen.
Fazit: Dein Ego meint es gut – aber es irrt sich
Der Above-Average-Effekt ist kein persönliches Versagen, sondern ein universelles Muster unseres Denkens. Unser Gehirn schützt uns mit dieser Verzerrung vor zu viel Selbstzweifel – doch manchmal schießt es dabei über das Ziel hinaus. Mit etwas Bewusstsein und ehrlicher Selbstreflexion kannst du diesen Denkfehler durchschauen und realistischer einschätzen, wo du wirklich stehst.
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Häufige Fragen
Was ist der Above-Average-Effekt?
Der Above-Average-Effekt beschreibt die Tendenz, die eigenen Fähigkeiten systematisch höher einzuschätzen als die der meisten anderen Menschen. Das Tückische daran: Mathematisch kann nicht die Mehrheit überdurchschnittlich gut sein – und trotzdem glaubt ein Großteil der Menschen genau das. Unser Gehirn erinnert sich lieber an Erfolge, blendet Misserfolge aus und schützt uns so vor allzu unangenehmen Selbsterkenntnissen.
Wie erkenne ich, ob ich mich selbst überschätze?
Ein erstes Zeichen ist, wenn du auf ehrliches Feedback von außen eher defensiv reagierst als neugierig. Hilfreich ist auch die Frage: Bewertest du deine Stärken anhand konkreter Kriterien – oder hauptsächlich nach Gefühl? Wer die eigenen Misserfolge konsequent ausblendet und sich vor allem mit positiven Erinnerungen vergleicht, tappt besonders leicht in diese Denkfalle.
Was kann ich gegen den Above-Average-Effekt tun?
Der wichtigste erste Schritt ist, überhaupt zu wissen, dass dieser Effekt existiert – das allein schärft den Blick auf die eigene Selbstwahrnehmung. Hol dir gezielt Feedback von Menschen, die dir ehrlich die Meinung sagen, und vergleiche dich anhand messbarer Kriterien statt nach Bauchgefühl. Wer auch die eigenen Misserfolge ernst nimmt, entwickelt ein realistischeres Bild von sich – und trifft dadurch bessere Entscheidungen.